15.12.2015

Gaudete – Freuet Euch - Feier zum 20jährigen Bestehen des Karmelitenklosters in Dilldorf

Auf einen passenderen Tag als den 3. Adventssonntag konnte das Jubiläum nicht fallen und anders als bei der Feier vor 5 Jahren waren keine Wetterkapriolen –wie plötzlicher Schneefall- angesagt, stellte Pastor Pater Paul in seiner Begrüßung zum Festgottesdienst am 13.Dezember 2015 in St. Mariä Geburt fest.

Bischof Dr. Franz Josef Overbeck ließ es sich nicht nehmen, die Messe zu diesem Anlass vor den zahlreichen Gästen aus dem Karmelitenorden und der ganzen Pfarrei zu feiern. „Im Evangelium hörten wir, wie die Menschen Johannes den Täufer fragten, was sie tun sollten, um nach dem Willen Gottes zu leben.“ so Bischof Overbeck in seiner Predigt. Und auch wir müssen in diesen Zeiten des Umbruchs, der gravierenden Veränderungen in Gesellschaft und Kirche fragen: Was ist zu tun? Die alte Ordnung vergeht, die neue ist noch nicht klar erkennbar. Viele sind verunsichert, ob der verstörenden Erfahrungen von Terror und Leid spätestens seit dem 11. September 2001 und dem 13. November 2015. Was kommt dann, wenn die Ordnung, die Formen sich so verändern? Das Alte kommt nicht wieder und wie das Neue aussieht, wissen wir nicht. Es gibt Menschen, die mit größter Anstrengung das Alte festzuhalten versuchen und glauben, dann würde „es schon werden“. Die Sehnsucht nach der alten Ordnung und die Angst vor Veränderung führen aber zur Selbstzerstörung. Was ist zu tun? Die heilige Thersa von Avila, deren 500. Geburtstag die Kirche in diesem Jahr gefeiert hat, lebte in ähnlichen unsicheren und veränderten Zeiten. Spanien eroberte die Welt, Amerika wurde entdeckt, die Kirche in Rom mit ihren verlotterten Sitten gab keinen Halt. Theresa trat in das Kloster mit dem bezeichnenden Namen „Menschwerdung“ ein und lernte ein neuer Mensch zu werden und auch sich selbst als Frau und ihre Rolle in der Kirche zu erkennen. Beim Lesen ihrer Texte sei er –Bischof Overbeck-an Martin Luther erinnert worden. Auch er konnte nicht weitermachen wie bisher. Auch er hatte mit dem „Turmerlebnis“ , wie Theresa mit der Bekehrung vor dem Bild des leidenden Christus eine besondere Berufung erfahren, eine Neuentdeckung ihrer Spiritualität, ihrer Beziehung zu Gott. Die beiden Reformer gingen dann aber verschiedene Wege. Theresa von Avila folgte Ignatius von Loyola. Sie suchte Gott in allen Dingen und ihr wird der Satz zugeschrieben: Solo dios, basta, was meist mit „Gott allein genügt“ übersetzt wird. Diese Übersetzung ist aber auch gefährlich, denn wir wissen, dass es noch vieles braucht, damit wir in unserem menschlichen und gemeinschaftlichen Leben zu Recht kommen können. Die bessere Übersetzung wäre „Allein Gott genügt“, was aussagen würde: wir brauchen Vieles, aber letzten Endes trägt uns Gott. Ohne ihn fehlt immer etwas. er ist der, der vollendet. Die tiefe geistliche Erfahrung gab der heiligen Theresa die Kraft, auf die Unsicherheit und Ängste eine Antwort aus dem Glauben zu geben. Sie entdeckte Gott in ihrer Geschichte und in der Geschichte der Kirche. Sie tat als Frau das, was zu dieser Zeit in der Kirche möglich war und verband so Spiritualität und Realität.
Bischof Overbeck rief die Gemeinde auf den Glauben zu erden. In den tradierten Werten aber auch durch eine innere Beziehung  des Einzelnen zu Gott  wird das Beieinandersein in der Kirche zur Gemeinschaft. „Wir können den Glauben nur leben in der Beziehung von uns selbst zu den Menschen, die mit uns leben.
Er dankte den Patres in Dilldorf ebenso wie vor 5 Jahren für ihren Dienst und ihr Lebenszeugnis in den Umbrüchen dieser Zeit. „Wir hoffen, auf ein langes Dienen,. Allein Gott genügt!“
Der stimmungsvolle Gottesdienst mit den von den Chören aus Überruhr und Kupferdreh gesungenen Adventsliedern erhielt durch den Gesang der indischen Schwestern und das von zwei Frauen im indischen Gewand getanzten VaterUnser das Flair von Weltkirche, so wie es auch die Patres in unsere Pfarrei bringen.
Zum Abschluss des Gottesdienstes überreichte Pater Paul unter großem Applaus an den ehemaligen Pfarrer Jürgen Goerdt ein Geschenk, weil er es war, der den Weg der Ordensgemeinschaft in das alte Pfarrhaus in Dilldorf geebnet hat. Sichtlich gerührt nahm er den Dank entgegen, verwies aber sofort auf Pfarrer Meyer, ohne den das Projekt nicht gelungen wäre. Er sei stolz darauf, wie es sich entwickelt habe, aber „was gut gegründet ist, wird auch gut.“Er hoffe darauf, dass sich die Gründung weiter bewährt und die Bischöfe von Essen auch in Zukunft ein großes Herz für das Kloster haben mögen.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurden noch einige Grußworte gesprochen. Unter der Moderation von Thorsten Sohlmann, dem Vorsitzenden des Freundeskreises des Karmelitenklosters Dilldorf, dankte zunächst Pfarrer Gereon Alter in seinem „Wort am Sonntag“ für 20 Jahre lebendiges Miteinander von Kloster und Pfarrei und für die besondere Spiritualität, die auf die gesamte Pfarrei und darüber hinaus ausstrahlten. Er überreichte als Geschenk eine Weihrauchschale, die das Bistum im Sommer herausgegeben hatte, damit es Wohlgeruch, den „die wohlriechenden Typen inmitten der Pfarrei“ verströmten, unterstütze. Pfarrer Laser, der evangelischen Christuskirche erinnerte an seine ersten Begegnungen vor 13 Jahren mit den fremdländisch aussehenden Herren, die sein erster Kontakt mit „Indien“ waren. Aus dem anfänglichen Fremdeln sei unter Pater Wilson und Pater Paul ein kollegiales und von Sympathie getragenes Verhältnis geworden. „Mit Ihnen hat Indien für mich ein freundliches Gesicht und einen guten Geschmack bekommen“, spielte er auf die Begegnungen und das gute Essen an. Bezirksbürgermeister Manfred Kuhmichel  überbrachte die Glückwünsche der Bezirksvertretung an das „Markenzeichen von Dilldorf“ und wies daraufhin, dass die indische Lebensfreude nicht im Gegensatz zu den Ordensregeln stünde und die Patres Kontemplation und Innerlichkeit in der Freude vorbildhaft lebten. Ingbert Ridder als Gemeinderatsvorsitzender dankte für die seelsorgerische Arbeit der Patres in der Kirche vor Ort und sprach seine Bewunderung dafür aus, wie sie mit der fremden Kultur, der Sprache und dem Wetter hier umgingen. Bei der Gemeindereise nach Indien hätten Viele Gelegenheit gehabt, den umgekehrten Weg zu erleben und ihre eigenen Erfahrungen damit zu machen.
Zum Abschluss warb Thorsten Sohlmann noch für eine Mitgliedschaft im Freundeskreis. Auch wenn mit großer Unterstützung des Bistums, die Renovierungsarbeiten im Pfarrhaus abgeschlossen seien und auch die Ausstattung weitestgehend finanziert sei, bliebe die weitere Unterstützung der spirituellen Arbeit der Patres. „Bei allen Umbrüchen und Differenzen seien Kupferdreher, Byfanger und Dilldorfer darüber einig, dass das Kloster in Dilldorf ein Segen für die Gemeinde und die ganze Pfarrei sei. Die Impulse und die Hilfen, die von dort ausgingen, gäben Halt und Orientierung im Glauben.“
Die Feier klang mit dem Beisammensein im Marienheim bei Gulaschsuppe und Getränken aus. Viele nutzten die Gelegenheit zur persönlichen Gratulation und vielleicht auch um den Antrag auf Mitgliedschaft im Freundeskreis des Klosters auszufüllen.
Text: Frauke Westerkamp Fotos: Detlef Dommers

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